Implantate

Ein Zahnimplantat (von lat. in „im, hinein“ und planta „Steckling, Setzling“)[1] ist ein in den Kieferknochen eingesetztes alloplastisches Konfektionsteil (Implantat). Das Teilgebiet der Zahnheilkunde, das sich mit der Insertion (Einsetzen) von Zahnimplantaten in den Kieferknochen befasst, wird als Implantologie ( (von griechisch λόγος lógos ‚Wort‘,Lehre‘) bezeichnet. Durch ihre Verwendbarkeit als Träger von Zahnersatz übernehmen Zahnimplantate die Funktion künstlicher Zahnwurzeln. Hierzu werden sie entweder mittels Schraubgewinde in den Kieferknochen (enossale[2] Implantate) eingedreht oder eingesteckt. Sie verbinden sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten mit dem umgebenden Knochen zu einer festen, äußerst belastungsfähigen Trägereinheit (Osseointegration).

Von der Implantatform hängt die chirurgische Insertionstechnik ab. Aus der Gestalt des Abutments, des aus dem Kieferknochen herausragenden Implantatteils, resultiert die Anfertigung der Suprakonstruktion, des auf den Implantaten einzugliedernden Zahnersatzes. Zahnimplantate bestehen seit den 1980er Jahren üblicherweise aus Titan, aber auch auskeramischen Materialien

Titanimplantate[Bearbeiten]

Nach langen Jahrzehnten mit verschiedenen, heute zum Teil naiv anmutenden Implantatformen aus der Vorkriegszeit, haben sich rotationssymmetrische Implantate (meist Schraubenimplantate) durchgesetzt. Bei diesen Implantaten ist der Implantatkörper im Querschnitt kreisrund, so dass die Implantatkavität, der Hohlraum, der das Implantat aufnehmen soll, mitrotierenden Instrumenten, beispielsweise einem Kanonenbohrer, in den Kieferknochen präpariert werden kann. Die Schraubenimplantate unterscheiden sich vor allem in ihrer Konizität und in der Art des Gewindes.

Dieses chirurgische Vorgehen belastet den Patienten weniger als frühere Implantationstechniken und führt sehr selten zu Komplikationen bei der Wundheilung. Zudem haben Schraubenimplantate den Vorteil, dass sie sich durch ihr Gewinde sofort im Knochen „festsetzen“ (primäre Stabilität). Das verkürzt die Einheilzeit, weil nur wenig Knochen „nachwachsen“ muss. Bei einem Teil der Implantate verjüngt sich die zylindrische Grundformen apikalwärts, zum Ende hin, so dass insgesamt eine Konusform entsteht.

Im Gegensatz zur Orthopädie, in der vornehmlich Titanlegierungen eingesetzt werden, werden Zahnimplantate aus Reintitan hergestellt. Titan weist eine hohe Biokompatibilität auf, die keine allergischen oder Fremdkörperreaktionen auslöst. Titan geht im Gegensatz zu anderen Materialien eine direkte molekulare Verbindung mit dem Knochen ein. Hierbei spielt die raue, morphologische Oberflächengestaltung mit einer Mikro-Porentiefe von durchschnittlich 5 bis 100 µm eine Schlüsselrolle. Zu Beginn wurde dies durch Aufspritzen („additives Verfahren“) von Titanpulver unter Argon und Hochtemperatur erreicht (Titan-Plasma-Spray „TPS“).[3] Dieses Verfahren ist verhältnismäßig teuer, so dass viele Hersteller etwa seit dem Jahr 2000 auf das billigere Säure-Ätz-Verfahren („acid etching“ oder Kombinationen davon, „SLA“ genannt) durch ein Gemisch von Salzsäure und Schwefelsäure zurückgreifen („subtraktive Verfahren“), das der additiven Methode gleichwertig oder sogar überlegen gegenübersteht.

Die Eigenschaft des Titans, mit Sauerstoff eine schützende Oxidschicht auf der Oberfläche zu bilden, ist die Ursache für seine besonders gute Verträglichkeit. Beide Methoden weisen eine hohe Erfolgsquote (über 95 % bei einer fünfjährigen Verweildauer) auf. Implantate müssen eine Zertifizierung der Gesundheitsbehörden als sichere Medizinprodukte (CE- oder eine FDA-Zulassung) besitzen. Ausnahmen bestehen gemäß Medizinproduktegesetz (MPG) für Individual-Implantate, die für einen einzigen Patienten auf Verschreibung des Zahnarztes angefertigt werden.

Überwiegend haben sich zusammengesetzte Zahnimplantate durchgesetzt, weil sie durch ihre Kombinationsmöglichkeit zwischen dem Wurzel- und Kronenanteil den gegebenen Verhältnissen am besten angepasst werden können, und weil durch das zweizeitige Vorgehen gewährleistet ist, dass die Osseointegration des Implantats durch eine zu frühe Belastung nicht beeinträchtigt wird. Mehrteilige Implantate bestehen aus dem im Knochen verankerten Implantatkörper, seltener einem separaten im Bereich der Mundschleimhaut liegenden Halsteil und dem Kopfteil, dem Abutment, das die Suprakonstruktion aufnimmt. Die zwei bzw. drei Teile werden meistens miteinander verschraubt. Die darauf angebrachten Suprakonstruktionen (Kronen, Brücken- oder Prothesenanker) werden verschraubt, zementiert oder verklebt.[4]

Bei einteiligen Zahnimplantaten ragt der Implantatkopf aus der Schleimhaut heraus, womit eine vorzeitige Belastung während der Einheilphase oft nicht zu vermeiden ist

Mögliche Komplikationen[Bearbeiten]

Im Vordergrund der Komplikationen stehen alle Faktoren, die eine Infektion im Implantationsbereich begünstigen. Zahnimplantate unterliegen der Gefahr einer Periimplantitis, einer Entzündung des Knochengewebes um das Zahnimplantat herum. Die Ursache ist entweder auf Operationsfehler oder auf eine ungenügende Mundhygiene des Patienten zurückzuführen. Die Periimplantitis führt zu einemKnochenabbau, der letztendlich den Ausfall des Implantats bewirkt. Eine Zahnimplantation wird als Misserfolg gewertet, wenn das Implantat mobil ist oder einen periimplantären Gewebsschwund von mehr als 1 mm im ersten Jahr aufweist. Eine Periimplantitis kann durch prophylaktische Maßnahmen zusammen mit einer Antibiotikatherapie behandelt werden. Eine Periimplantitis ist auf einer Röntgenaufnahme zu erkennen.

Diabetiker müssen gut eingestellt sein, damit die Gefahr der Entzündungsneigung an den Zähnen auf ein beherrschbares Maß reduziert wird.

Bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, ist nicht nur die Immunabwehr eingeschränkt, sondern auch die Regenerationsfähigkeit des Gewebes während der Einheilungsphase nach der Implantation. Daher soll bei diesen Patienten die Beendigung der Chemotherapie abgewartet und erst einige Monate danach implantiert werden.

Bettlägerige Patienten können gegebenenfalls mit Implantaten versorgt werden, wenn der Eingriff stationär durchgeführt wird.

Eine therapierbare Parodontitis ist kein Ausschlusskriterium.[11]

Das Risiko eines Misserfolges ist bei Rauchern erhöht. Ein Misserfolg kann aber auch dann auftreten, wenn das Implantat nicht richtig positioniert wurde.

Entfernung des Implantats[Bearbeiten]

 HauptartikelExplantation (Zahnimplantat)

Kontraindikationen[Bearbeiten]

Es bestehen zahlreiche Kontraindikationen für eine Implantatversorgung.[12]

Allgemeinmedizinische Kontraindikationen[Bearbeiten]

Bisphosphonat[Bearbeiten]

Etwa seit 1999 ist eine unbeherrschbare Komplikation bei Patientinnen bekannt, die wegen Osteoporose oder einer Krebserkrankung mit dem Wirkstoff Bisphosphonat behandelt wurden. Nach zahnchirurgischen Eingriffen entsteht eine Atrophie (Rückbildung) des Knochengewebes im Operationsgebiet, selektiv im Bereich des Kieferknochens. Die Ursache ist noch nicht geklärt. Ob es die Kombination von Chemotherapie mit Bisphosphonaten ist, die diese Erscheinung hervorruft, ist noch unbekannt. Derzeit gelten kieferchirurgische Eingriffe aller Art, selbst beispielsweise Zahnextraktionen, bei gleichzeitiger Einnahme von Bisphosphonaten als kontraindiziert. Es ist nicht bekannt, wie lange Bisphosphonate benötigen, bis sie nach ihrer Absetzung ihre destruktive Wirkung im Knochen verlieren. Sie lagern sich ähnlich wie Tetracycline im Knochen ein. Es kann sich um bis zu 10 Jahre handeln, da eine Hydrolysierung über Phosphatasen wegen der Molekülstruktur nicht erfolgt. Die Einnahme von Bisphosphonaten bedarf wegen dieser gravierenden unerwünschten Nebenwirkung einer strengen Indikation

Behandlungszeitpunkt[Bearbeiten]

Man unterscheidet zwischen Sofortimplantaten direkt nach dem Zahnverlust, verzögerten Sofortimplantaten 2–8 Wochen nach Zahnverlust und Spätimplantaten nach vollständiger knöcherner Ausheilung des Zahnfachs. Sofortimplantate sollten nur eingesetzt werden, wenn direkt nach der Extraktion des Zahnes die Alveole entzündungsfrei ist. Verzögerte Sofortimplantationen und Spätimplantationen verringern das Risiko einer Infektion. Bei einwurzeligen Zähnen in Regionen mit dünnen vestibulären Knochenlamellen (beispielsweise im Frontzahngebiet) hat die Sofortimplantation oder verzögerte Sofortimplantation (innerhalb von 2 Wochen) jedoch den Vorteil, dass der Knochenverlust und damit das Risiko eines ästhetischen Misserfolgs minimiert wird.

Sofortimplantationen kommen den Bedürfnissen des Patienten am nächsten, bergen aber auch ein größeres Misserfolgsrisiko.

Operationstechnik einer Implantation[Bearbeiten]

Operationsgebiet während einer Implantation an der Stelle des Zahnes 32. Das Implantat wurde bereits eingesetzt. Anschließend wird die Wunde vernäht.
Genähte Wunde nach Einsetzen eines Schraubenimplantats an der Stelle des Zahnes 35
Schraubenimplantat mit Einheilpfosten
Dasselbe Schraubenimplantat mit fertiger Krone (Mitte)

Eine zahnärztliche Implantation wird in Lokalanästhesie in der Regel ambulant durchgeführt. An der geplanten Stelle wird nach einem Mukoperiostschnitt die Schleimhaut aufgeklappt und die Implantatbohrung stufenweise nach individuell festgelegter Länge und Durchmesser aufbereitet. Zur Vermeidung einer Überhitzung des Knochen wird die Präparation mit geringer Drehzahl des rotierenden Instrumentes, geringem Druck und permanenter Kühlung mit physiologischer Kochsalzlösung ausgeführt. Das Implantat wird mit Hilfe eines Drehmomentschlüssels eingebracht. 55 Ncm sollen dabei erreicht werden, um die nötige Primärstabilität zu erreichen. Nach dem Einbringen wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Bei entsprechender Nachsorge (kühle Umschläge, Medikamente) lassen sich Komplikationen (Schwellungen usw.) weitgehend vermeiden. Nach zehn Tagen ist die äußere Wundheilung normalerweise abgeschlossen. Eine unbelastete Einheilphase, abhängig von der Knochenqualität, schließt sich an.[4]

Bei einem minimal invasiven Vorgehen wird das Implantatbett für das Miniimplantat präpariert, ohne einen Mukoperiost-Lappen zu bilden. Die vereinfachte und kürzere Operation kann eventuelle postoperativen Beschwerden reduzieren. Orientierungshilfe bietet eine Bohrschablone.

Provisorischer Zahnersatz[Bearbeiten]

Für die Einheilzeit des Implantats wird bei Bedarf ein provisorischer Zahnersatz eingesetzt.

Bei einem mehrteiligen Implantat wird nach der Einheilphase das Innengewinde des Implantatkörpers frei gelegt und das Abutment, der Kronenanteil auf dem Implantat, eingeschraubt und die Suprakonstruktion gefertigt und eingegliedert. Auf einem einteiligen Implantat kann nach der Einheilphase die Suprakonstruktion unmittelbar angefertigt und eingegliedert werden.

Nachsorge[Bearbeiten]

Unmittelbar nach einer implantologischen Versorgung soll die Operationsstelle nicht belastet werden. Auch zu intensive Reinigungsmaßnahmen (beispielsweise mit einer harten Zahnbürste) direkt an der Naht sind zu vermeiden, wohingegen das restliche Gebiss sehr sorgfältig gereinigt werden muss. Als zusätzliches Hilfsmittel stehen antiseptische Mundspüllösungen (beispielsweise mit Chlorhexidin) zur Verfügung. So kommt der Infektionsprophylaxe in den ersten 48 Stunden nach der Operation eine Schlüsselrolle zu. Wichtig ist auch, möglichst keine Prothesen im Operationsgebiet zu verwenden oder diese zumindest „hohl zu legen“, weil diese andernfalls unkontrollierte Belastungen auf das Implantat übertragen könnten. Die Dauer der Einheilphase bis zur direkten Belastung des Implantates wird wissenschaftlich derzeit noch diskutiert – mit tendenziell abnehmender Dauer (siehe auch Belastungszeitpunkt) bis hin zur Sofortbelastung.

Zahnimplantate müssen wegen der Infektionsgefahr regelmäßig kontrolliert werden. Rechtzeitig erkannte Infektionen sind deutlich erfolgreicher zu behandeln als fortgeschrittene, die bereits zu einem Abbau von Knochenmaterial geführt haben. Daher sollen Zahnimplantate alle 6 Monate vom behandelnden Zahnarzt bzw. Implantologen kontrolliert werden. In klinischer Erfahrung hat sich gezeigt, dass es insbesondere bei großen kieferchirurgisch-implantologischen Maßnahmen in beiden Kiefern sinnvoll sein kann, den Patienten nach dem Eingriff kurz stationär nachzuversorgen, beispielsweise bei großvolumigen Knochenaufbauten mit Knochentransplantationen aus der Hüfte oder mit Knochenersatzmaterial. Kernpunkt dieser postoperativen Nachsorge ist die Ernährung des Patienten über einen Venenkatheter, um eine bakterielle Gefährdung der frischen Operationswunden im Mund durch die normale orale Nahrungsaufnahme zu vermeiden.

Belastungszeitpunkt[Bearbeiten]

Neben dem Operationszeitpunkt nach einer Zahnentfernung ist auch der Belastungszeitpunkt des Implantates von Bedeutung. Man unterscheidet die Sofortbelastung von der Spätbelastung. Die Sofortbelastung setzt Primärstabilität (hohe Festigkeit des Implantates schon bei der Operation) voraus und bedeutet die sofortige Versorgung des Implantates mit der belastenden Suprakonstruktion (Krone, Brücke, herausnehmbare Prothese). Demgegenüber ist für die Spätbelastung die Primärstabilität nicht entscheidend, weil der Knochen in der Einheilzeit (mehrere Wochen bis Monate) das Implantat immer fester umschließt. Je geringer die Primärstabilität des Implantats bei der Operation ist, desto mehr Zeit muss für die Bildung der ausreichenden Knochensubstanz eingeräumt werden. Über die (in Ncm Eindrehmoment) gemessene Primärstabilität gibt es erst seit 2006 Standards.

Sofortimplantate[Bearbeiten]

Unter einem Sofortimplantat versteht man das Einsetzen eines Implantats unmittelbar im Anschluss an die Entfernung oder den Verlust eines eigenen Zahnes in die noch frische (Extraktions-)Wunde (Alveole). Implantatformen, deren unteres Ende verjüngt ist (konische Schraubenimplantate) kommen der natürlichen Wurzelform am nächsten und scheinen insbesondere bei Sofortimplantationen sinnvoll, um die vorhandenen knöchernen Strukturen zu schonen. Die zylinderförmigen, parallelwandigen Implantate gewährleisten eine bessere Primärstabilisierung, weil im Bereich der Spitze des leeren Zahnfachs eine höhere Friktion erreicht wird. Kontrovers wird diskutiert, ob eine Einheilphase vonnöten ist. Für eine sofortige Belastung muss eine ausreichende Knochendichte vorhanden sein.

Operationstechnisch sind konische, wurzelförmige Implantate mit dem Nachteil behaftet, dass die Einsetztiefe durch die Form des Implantats nicht variabel ist und somit den gegebenen anatomischen Verhältnissen nicht immer ausreichend angepasst werden kann. Durch die zunehmende Zahl verschiedener Durchmesser und Längen der Implantate lässt sich auch bei konischen Implantaten eine befriedigende primäre Stabilität erreichen.

Hinsichtlich der Primärstabilität sollen Implantate bei einer Sofortimplantation anguliert eingesetzt werden, um eine optimale Positionierung zu erhalten. Damit kann ein Knochenaufbau teilweise umgangen werden.[16][17] Voraussetzung ist ein gute gesundheitliche Verfassung.

Verweildauer[Bearbeiten]

Die Verweildauer, also die „Haltbarkeit“ der Implantate im Kiefer, ist abhängig vom Erhalt des umgebenden Knochens. Die Verbindung zwischen Implantat und Knochen ist nahezu ausschließlich durch bakterielle Einflüsse zerstörbar (Auflösung der Knochenmatrix durch Matrix-Metalloproteasen, MMPs). Genetische Gesichtspunkte der evolutionsbiologisch verhältnismäßig jungen Ernährung mit Getreideprodukten erklären die erhöhte Infektionsneigung des Zahnfleisches (Gingiva) und des Zahnhalteapparates bei schwerpunktorientierter Broternährung in Deutschland. Daher kommt der Infektionsverhütung vor, während und nach dem Einbringen des Zahnimplantates eine entscheidende Rolle zu. Mit abnehmender Empfindlichkeit gegenüber bakteriellen Einflüssen bei gleichzeitiger Zunahme des intensiven Implantat-Knochenkontaktes (BIC: bone to implant contact) unter funktionell-physiologischer Kaubelastung sinkt das Risiko des Implantatverlustes, weil die mechanische Belastung zeit- und intensitätsabhängig zu einer röntgenologisch nachweisbaren gesteigerten Mineralisierung des umgebenden Knochens führt. Dies bedeutet, dass in der Anfangszeit nach der Operation sehr viel größere Aufmerksamkeit auf Zahnreinigung und Mundhygiene verwendet werden muss als beispielsweise nach ca. 2 Jahren ereignisloser Tragezeit. Die Verweildauer ist außerdem abhängig von der Größe der implantatgeometrisch bedingten Oberfläche, von der mikromorphologischen Gestaltung und von der äußeren Form.

Die Erfolgssicherheit zylindrisch orientierter Implantate liegt nach internationalen Statistiken im 5-Jahresintervall bei 85–90 %. Sie ist im Wesentlichen vom Eintreten einer Infektion abhängig. Durch geeignete Maßnahmen, die sich der konsequenten Infektionsprophylaxe unmittelbar postoperativ durch stationäre Nachsorge zuwenden, ist es daher möglich, die Erfolgsquote im 10-Jahresintervall auf nahezu 100 % zu steigern. Dies gilt nur für Nichtraucher. Es sind Liegezeiten von mehr als 40 Jahren bekannt.

Mit diesen Zahlen gehört die zahnärztliche Implantologie zu den erfolgreichsten medizinischen Eingriffen überhaupt. Die Erfolgsquoten im Bereich der orthopädischen Implantate liegen mit 75 bis 85 % deutlich darunter. Die Gründe liegen in der erhöhten Elektivität zahnärztlicher Implantate. Auch den endogenen Infektionsfaktoren widmet sich die zahnärztliche Implantologie intensiver. Bei orthopädischen Implantaten ließe sich zudem durch verschiedene Änderungen der mikro- und makromorphologischen Aspekte die Erfolgsquote steigern.

Geschichte der Implantologie[Bearbeiten]

Die zahnärztliche Implantologie ist verhältnismäßig alt, gilt aber unter evidenzbasierten Gesichtspunkten auch heute noch als medizinisches Neuland. Schon vor 2000 bis 3000 Jahren wurden unterschiedliche Materialien für den Ersatz eines Zahnes im Kieferknochen benutzt. Es gibt Schädelfunde, bei denen Reihen von aus Quarz geschnitzten Zähnen gefunden wurden. Zahlreiche andere organische und anorganische Materialien wurden verwendet. Elfenbein und Holz, unterschiedliche Metalle, auch Eisen und neuerdings Kunststoffe wurden als Implantate schon eingesetzt.[18]

Die Entwicklung bis 1988[Bearbeiten]

Die moderne Entwicklung der Implantologie begann mit der Entdeckung der Biokompatibilität der Titanoberfläche durch den schwedischen Orthopäden Per-Ingvar Brånemark im Jahre 1967. Im Jahr 1978 fand die erste Zahnimplantat Consensus Conference statt, die gemeinsam vom National Institutes of Health und der Harvard University gesponsert war. Es war ein historisches Ereignis, an dem retrospektiven Daten von Zahnimplantaten gesammelt und analysiert und Kriterien und Normen für die moderne Implantologie etabliert worden sind.[19]

Im Jahr 1982 präsentiert Brånemark in Toronto seine Arbeit, die 15 Jahre früher in Göteborg begonnen hatte. Seine Entdeckung und Anwendung der Osseointegration oder der biologischen Fusion von Knochen mit einem Fremdkörper war einmalig. Die wissenschaftliche Dokumentation der Implantologie war zuvor noch nie so umfassend. Die Toronto Konferenz führte zu einer breiten Anerkennung der Brånemark Implantatmethoden und -materialien. Sie ist einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüche in der Zahnmedizin seit den späten 1970er Jahren.

Zu Beginn der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland (ca. 1969) wurden zunächst von einigen wenigen hauptsächlich in eigener Praxis niedergelassenen Zahnärzten Zahnimplantate gegen den jahrelang erklärten Widerstand vieler Universitätskliniken und Kieferchirurgen eingesetzt.[20] Die Nachfrage nach Zahnimplantaten der Patienten war andererseits von Anfang an sehr groß. Dennoch erfolgte in Deutschland erst 1982 die wissenschaftliche Anerkennung der zahnärztlichen Implantologie. Im Jahre 1988 wurden die mit der Implantologie verbundenen zahnärztlichen Leistungen in die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) mit einem kleinen Positionskatalog von 10 Gebührennummern (GOZ-Nr. 900–909) aufgenommen, dort einzeln beschrieben und mit einem Honorar bewertet. Dieser Leistungskatalog ist bis heute (2008) weder inhaltlich noch honorarmäßig verändert worden.

Die Entwicklung nach 1988[Bearbeiten]

Unter allen Implantatmaterialien hat sich Titan seit den 1970er Jahren durchgesetzt. Die Verbindung zwischen der Titanoberfläche und dem Knochen hat sich als zuverlässig erwiesen. Es kommt nur selten zu Frakturen des Implantatkörpers, weil das Elastizitätsmodul von Knochen und Titan ähnlich ist.

Ende der 1980er Jahre implantierten etwa 1.500 Zahnärzte (ca. 2,5 %), im Jahr 2006 bereits etwa 5.000-7.000 Zahnärzte (ca. 8-12 % der ca. 60.000 bundesdeutschen Zahnärzte) mehr oder weniger regelmäßig. Zahlreiche Zahnärzte arbeiten interdisziplinär eng mit einem implantologisch tätigen Oralchirurgen oder Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zusammen, der den chirurgischen Teil übernimmt und die Implantate einsetzt und der Zahnarzt anschließend die Suprakonstruktion (den Zahnersatz auf den Implantaten) eingliedert.[21] Die Suprakonstruktionen dürfen bei bestehender Fachgebietsbegrenzung in einigen Bundesländern nicht vom Kieferchirurgen angefertigt und eingegliedert werden.

An den Universitäten ist die Implantologie kein eigenes Ausbildungsfach, so dass die Zahnärzte sich im Rahmen einer postgraduierten Fortbildung die einschlägigen Kenntnisse aneignen.

Suprakonstruktionen[Bearbeiten]

Schaltlücke 46, die mit Implantaten versorgt werden soll (damit die Nachbarzähne nicht beschliffen werden müssen)
Zwei Schraubenimplantate, in die Zahnlücke eingesetzt und mit Kronen versorgt

Unter Suprakonstruktionen versteht man den eigentlichen Zahnersatz, der auf den Zahnwurzelersatz, das Implantat, aufgesetzt wird.

Zahnimplantate und festsitzender Zahnersatz[Bearbeiten]

Hierbei werden auf den (meist abschraubbaren) Pfeilern der Implantate Einzelkronen oder Brückenpfeiler zur Schließung einer Zahnlücke durch eine Brücke festgeschraubt oder einzementiert.

Indikationen:

  1. Einzelzahnersatz oder kleine Schaltlücke (1–2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen Zahnreihe)
  2. Große Schaltlücke (mehr als 2 fehlende Zähne der sonst geschlossenen Zahnreihe)
  3. Freiendsituation (verkürzte Zahnreihe) (festsitzender Zahnersatz nur bedingt möglich)

Einzelzahnersatz oder Schließen einer kleinen Zahnlücke[Bearbeiten]

 HauptartikelZahnverlust

Gründe für einen Zahnverlust können Karies, Parodontitis, Allgemeinerkrankungen oder ein Unfall sein.

Bei der Nichtanlage von Zähnen muss eine intensive Abstimmung mit einem Kieferorthopäden erfolgen.

Beim Einzelzahnersatz oder Schließen einer kleinen Schaltlücke müssen gegenüber der konventionellen Versorgung mittels einer Brücke die Nachbarzähne nicht beschliffen werden. Eine Krone kann direkt auf das Implantat gesetzt werden. Das Zahnfleisch legt sich bei einer günstigen Ausgangssituation harmonisch an die Krone an und nichts deutet mehr auf den Zahnverlust hin. In ungünstigeren Fällen muss mittels eines parodontalchirurgischen Eingriffs ein Weichgewebsmanagement durchgeführt werden, um einen ästhetisch zufriedenstellenden Übergang vom Zahn zum Gingivalsaum zu erreichen, was vor allem im sichtbaren Bereich von Bedeutung ist.

Probleme beim Einzelzahnersatz können sich ergeben, wenn die Zahnlücke nicht hinreichend groß ist, was bei einem zu geringen Interdentalabstand der Fall ist. Bis ins Jahr 2003 bemühte man sich möglichst lückenfüllende Implantatdurchmesser einzusetzen, um ein ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Nachdem dadurch Misserfolge zu verzeichnen waren, wurde dieses Verfahren von der Erkenntnis abgelöst, dass ein ausreichend großer Mindestabstand von etwas 1,5 bis 2 mm zu den benachbarten natürlichen Wurzeln einzuhalten ist.

Große Schaltlücken[Bearbeiten]

Von großen Schaltlücken spricht man, wenn bis zu vier Zähnen in einem Sextanten fehlen und die Lücke jeweils von einem Zahn begrenzt ist.

Um eine solche Lücke mit festsitzendem Zahnersatz zu schließen, bestehen (soweit eine „normale“ Brücke nicht mehr möglich ist) folgende Möglichkeiten:

  • Je zu ersetzendem Zahn wird ein Implantat eingesetzt und jeweils mit einer Krone versehen (sehr aufwändig und kostenintensiv).
  • Es werden mindestens zwei Implantate als Brückenpfeiler eingesetzt, bei sehr großen Lücken auch mehr als zwei. Auf diesen Implantaten wird dann eine Brücke befestigt (implantatgetragene Brücke).
  • Implantate und natürliche Zähne dienen gemeinsam als Brückenpfeiler (Hybrid-Brücke). Das ist nur in Ausnahmefällen zu empfehlen, weil ein Implantat keine Bewegung zulässt, natürliche Zähne innerhalb gewisser Toleranzgrenzen aber beweglich sind (siehe Zahnhalteapparat).

Freiendsituation[Bearbeiten]

Eine Freiendsituation liegt vor, wenn im distalen Bereich kein natürlicher Brückenpfeiler mehr vorhanden ist, der eine Brücke tragen könnte. Durch entsprechend platzierte Implantate ist in diesen Fällen festsitzender Zahnersatz (Brücke) möglich.

Vor- und Nachteile von Zahnimplantaten[Bearbeiten]

Vorteile:

  • verbesserte Kaukraft,
  • verbessertes Sprechen / Phonetik,
  • Verbesserung der Ästhetik,
  • verringerter, oft sogar vollständiger Stopp des Knochenabbaus im zahnlosen Kieferkammbereich,
  • verlängerte Verweildauer von Zahnersatz,
  • verringerter Druck auf die Schleimhaut bei Teilprothesen,
  • Beschleifen der Nachbarzähne kann vermieden werden, also Schonung des Restzahnbestandes (besonders wichtig bei Nachbarzähnen, die noch keine oder nur kleine Füllungen haben),
  • verbesserter Halt einer Prothese,
  • Befestigung Totaler Prothesen als Cover-Denture-Prothese.

Nachteile bzw. mögliche Risiken:

  • operativer Eingriff erforderlich,
  • eventuelle Nervenverletzung (besonders des Nervus alveolaris inferior im Unterkiefer),
  • eventuelle Eröffnung der Kieferhöhle mit möglicher Sinusitis bei Oberkieferimplantaten
  • da Zahnimplantate starr in den Knochen einwachsen, wird der Kaudruck nicht wie bei natürlichen Zähnen durch die Sharpey-Fasern abgefedert und kann damit zu einer Überbelastung des Kiefergelenks führen,
  • kostenintensiv,
  • höhere Anforderungen an die Mundhygiene,
  • Lange Behandlungsdauer,
  • Risiko der Periimplantitis,
  • Risiko der Implantatlockerung und des Implantatverlusts.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zahnimplantate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Der kleine Stowasser. Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch.
  2. Hochspringen enossal im Wiktionary.
  3. Hochspringen André Schröder, 1976, Bern
  4. ↑ Hochspringen nach:a b N. Schwenzer, M. Ehrenfeld: Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde. 5 Bände, Band 3: Zahnärztliche Chirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-116963-X.
  5. Hochspringen Bruggenkate, Müller, Oosterbeek: Clinical evaluation of the ITI (F-Type) Hollow cylinder implant. In: ITI Hollow cylinder implant, Chapter 6, S. 75–83, ISBN 90-90-03708-XPMID 2263324
  6. Hochspringen K. Müller: Schmalkieferimplantate – Innovation erhöht Lebensqualität. In: Implantologie Journal, 10. Jg., 8/2006, S. 26–30, F 42816 ISSN 1435-6139-PVst. F 42816
  7. Hochspringen Carl E. Misch (Hrsg.): Contemporary implant dentistry.
  8. Hochspringen B. Zhao. In: J Biol Chem, 2006, ISSN 0021-9258.
  9. Hochspringen Thomas Sulzer, Michael M. Bornstein, Daniel Buser: Aktuelles Indikationsspektrum in der oralen Implantologie an einer Überweisungsklinik. In: Schweiz Monatsschr Zahnmed. 2004, Band 114, S. 444–450.
  10. Hochspringen Konsensuskonferenz Implantologie auf konsensuskonferenz-implantologie.de
  11. Hochspringen Regina Schindjalova: [oemus.com (PDF; 472 kB) Fast- & Fixed-Therapiekonzept – auch bei Parodontitis profunda.] In: Implantologie Journal. Nr. 8/2012, 2012, S. 28–32.
  12. Hochspringen G. Hexdecke: Orale Implantologie. (PDF; 1,7 MB) uke.de (Universität Hamburg).
  13. Hochspringen Carl E. Misch: Density of bone effect on treatment plans, surgical approach, healing and progressive loading. In: Int J Oral Implantol., 1990, 6(2), S. 23–31.
  14. Hochspringen U. Lekholm, G. A. Zarb: Patient selection and preparation. In: P. I. Brånemark, G. A. Zarb, T. Albrektsson: Tissue-integrated prostheses-Osseointegration in Clinical Dentistry. Quintessence Publishing, Chicago 1985, S. 199–209.
  15. Hochspringen H. B. Engels: Misserfolge in der oralen Implantologie. Ein kleines Brevier zur Vermeidung von Misserfolgen. In: H. B. Engels: Handbuch zum BDIZ / EDI Implantat-Register. Basic.Dent-Verlag, 2003, S. 273–293.
  16. Hochspringen Heather J. Conrad: Accuracy of two impression techniques with angulated implants. In: The journal of prosthetic dentistry. 97, Nr. 6, 2007, S. 349–356. PMID 17618917.
  17. Hochspringen Ashok Sethi: Evolution of the concept of angulated abutments in implant dentistry: 14-year clinical data. In: Implant Dentistry. 11, Nr. 1, 2002, S. 41–51. PMID 11915544.
  18. Hochspringen J. Hartmann: Geschichte der Implantologie. (PDF; 1,9 MB) auf hartmann-tutzing.de, ZM 99, 22A (2009)
  19. Hochspringen L. B. Shulman, T. D. Driskell: Dental Implants: A Historical Perspective. In: M. Block, J. Kent, L. Guerra: Implants in Dentistry. W. B. Saunders, Philadelphia 1997, ISBN 0-7216-2174-0, S. 2.
  20. Hochspringen Anke K. Brinkmann, Egon L. W. Brinkmann: Die Geschichte der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland. Anke-Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-00-000527-7. (Dissertation, Universität München 1993).
  21. Hochspringen A. Salti: Die 2000jährige Geschichte der Implantation. (PDF; 408 kB) auf zwp-online.info, ZWP, Implantologie Journal, 2003/1, S. 6–8.
  22. Hochspringen Ingrid Grunert: Der Patient ist zahnlos – was tun? (PDF; 114 kB) BZB, 6/2012, S. 52–57.
  23. Hochspringen Joanne N. Walton, Michael Glick, Michael I. MacEntee: A Randomized Clinical Trial Comparing Patient Satisfaction and Prosthetic Outcomes with Mandibular Overdentures Retained by One or Two Implants. In: Int J Prosthodont. Band 22, 2009, S. 331–339.

Hier finden Sie uns

Zahnarztpraxis

Dr. Sebastian Dennl

Rathausstr. 14

64668 Rimbach 

Terminvereinbarungen

Rufen Sie einfach an

+49 6253 85135 oder nutzen

Sie unser Kontaktformuar.

Sprechzeiten

Mo. 08.00 - 12.00   14.30 - 18.00

Di.  08.00 - 12.00   14.30 - 18.00

Mi.  08.00 - 12.00      

Do. 08.00 - 12.00   14.30 - 18.00

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Zahnarztpraxis